Die Spirale der amerikanischen Kriegswirtschaft

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Das 20. Jahrhundert bleibt in Erinnerung als ein von Kriegen geplagtes, von Aufrüstung geprägtes, anfangs multipolares, letzlich als unipolares Zeitalter. Die beiden Weltkriege und der darauf folgende Kalte Krieg haben Strukturen hinterlassen, industrielle Strukturen der Rüstungsindustrie. Marktteilnehmer mit Gewinnerzielungsabsichten aus dem Verkauf von Waffensystemen, wie Massenvernichtungswaffen. Lockhead Martin (Umsatz > 40 Milliarden), Boeing (Umsatz > 30 Milliarden) und BAE System (Umsatz > 25 Milliarden) sind die drei größten Rüstungskonzerne weltweit und profitieren enorm von den horrenden Militärausgaben der USA. Diese betrugen im Jahr 2017 über 610 Milliarden Euro (vgl. China: 228, Saudi Arabien 69,4, Russland 66,3) und sie steigen regelmäßig an, wobei die privaten Investitionen in Waffen sogar noch außen vor stehen.

Doch warum benötigen die USA ein Budget, das fast so groß ist, wie das Chinas, Saudi Arabiens, Russlands, Indiens, Frankreichs, Großbritanniens, Japans und Deutschlands zusammengenommen? Die USA gelten nicht zuletzt Aufgrund ihrer militärischen Überlegenheit als einzige Supermacht. Diese setzt sich zum einen aus den zahlreichen Militärbasen, etwa 1.000 in anderen Ländern, mit über 250.000 Einheiten als stehendes Heer überall weltweit verteilt, zusammen. Zum anderen sind die amerikanischen Waffensysteme am weitesten entwickelt. Um diesen Status aufrecht erhalten zu können, müssen die privaten Rüstungskonzerne mit Aufträgen bedient werden, denn so werden sie finanziert und können noch höher entwickelte Waffensysteme bauen. Doch diese Industrie braucht als Rechtfertigung derartiger Ausgaben jederzeit einen Gegner, der die Vereinigten Staaten von Amerika bedroht, denn ohne einen solchen bräuchte man kein großzügig ausgerüstetes Militär.

Vor allem der Zweite Weltkrieg rechtfertigte enorme Militärausgaben, da die Befreiung Europas vom Hitlerregime wohl jedem Menschen als legitimer Grund einleuchtete, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen.

Diese riesige Industrie hat mittlerweile allerdings weitere Interessen hervorgerufen, denn etwa 3,5 Millionen Menschen arbeiten in dieser Branche, alleine in den USA. Too big to fail. Dieser Satz ruft Gewissenskonflikte bei Politikern hervor. Wird die hauptsächlich staatlich abhängige Branche im Sinne der Abrüstung geschwächt, geht damit einher, dass Arbeitsplätze verloren gehen. Doch was bedeutet es, wenn Politiker sich für die Erhaltung dieser Arbeitsplätze entscheiden und somit Teil des militärisch-industriellen Komplex werden? Konflikte werden vorzugsweise militärisch gelöst, nicht diplomatisch. Krisenherde werden angefacht, indem die beiden feindlichen Parteien aufgerüstet werden und Kriege ausgelöst, damit der Profit weniger Unternehmen steigt. Wie schon angesprochen, sind diese zusätzlichen Finanzspritzen essentiell für die amerikanische Vormachtstellung, denn nur so können Lockhead Martin und Konsorten Weltmarktführer bei modernen Waffensystemen bleiben und der Fortschritt der USA gegenüber der Welt erhalten bleiben.

Damit diese Spirale vor der Bevölkerung gerechtfertigt werden kann, müssen immer neue Feindbilder entstehen. Diese werden von Teilen der Presse, der Filmindustrie und der Politik, welche teilweise zum militärisch-industriellen-Komplex gezählt werden können, geschaffen. Immer wird das amerikanische Volk bedroht, anfangs von anderen Nationalstaaten, mittlerweile vom Terrorismus. Dies geschieht alles anhand der Pauschalisierung von komplexeren Zusammenhängen, indem Konflikte mit verschiedensten Interessen und Hintergründen heruntergebrochen werden, auf den “Guten” und den “Bösen”. Hollywood hat keinen geringen Anteil an dieser Darstellung, sie wurden vom Militär mit einer einfachen Maßnahme instrumentalisiert. Wer kritische Filme, mit Inhalten drehen möchte, die dem Militär missfallen, bekommt keine Gerätschaften, wie moderne Panzer und Helikopter zur Verfügung gestellt und ist somit kaum konkurrenzfähig, gegenüber Filmen mit positiver Darstellung vom Militär. Letztere bekommen diese Mittel fast kostenfrei bereitgestellt.

Dwight D. Eisenhower, einer der wichtigsten Generale des US-Militärs im Zweiten Weltkrieg, bekleidete von 1953-1961 das Amt des 34. US-Präsidenten und richtete sich in seiner Abschiedsrede 1961, mit viel beachteten Worten an das amerikanische Volk. Er warnte die Welt vor der enormen Macht des militärisch-industriellem Komplex:

“Guten Abend, meine lieben Landsleute,

(…)

Krisen wird es immer geben. Ob die Krisen nun im Ausland auftreten oder hier im Inland, ob sie groß sind oder eher klein: immer wieder ergibt sich die Versuchung anzunehmen, dass spektakuläre und kostspielige Aktionen als wundersame Lösung aller auftretenden Probleme die geeigneten Mittel sind.

(…)

Ein lebenswichtiges Element zur Erhaltung des Friedens stellt das Militär dar. Unsere Bewaffnung muss machtvoll sein, bereit für rasche Einsätze, sodass kein möglicher Angreifer versucht sein könnte, seine eigene Zerstörung zu riskieren.

Die Organisation unseres Militärs heutzutage ist nicht mehr vergleichbar mit jener, die man zu Zeiten meiner Vorgänger in Friedenszeiten gekannt hat, oder auch bei den kämpfenden Männern im Zweiten Weltkrieg oder im Koreakrieg.

Bis zu unseren letzten Weltkonflikten besaßen die USA keine eigene Rüstungsindustrie. Amerikanische Hersteller von Pflügen konnten beizeiten, wenn es erforderlich war, aber auch Schwerter herstellen. Jetzt aber können wir uns keine improvisierte Produktion für die nationale Verteidigung mehr erlauben; wir sind gezwungen gewesen, eine permanente Rüstungsindustrie von gewaltigen Größenordnungen aufzubauen. Obendrein sind jetzt dreieinhalb Millionen Menschen im Verteidigungssektor beschäftigt. Wir geben jedes Jahr für nationale Sicherheit einen höheren Betrag aus, als alle amerikanischen Konzerne zusammengenommen netto einnehmen.

Diese Verbindung eines gewaltigen Militärapparates mit einer großen Rüstungsindustrie stellt eine neue Erfahrung in den USA dar. Der gesamte Einfluss – wirtschaftlich, politisch, ja sogar spirituell – wird wahrgenommen in jeder Stadt, in jedem Parlament unserer Bundesstaaten und jeder Behörde der Bundesregierung. Wir erkennen die Notwendigkeit dieser Entwicklung an. Wir dürfen aber auch nicht die Augen verschließen gegenüber ihren schwerwiegenden Folgen. Alle unsere Bemühungen, Mittel und Existenzgrundlagen sind betroffen; das gilt auch für die Struktur unserer Gesellschaft.

In den Gremien der Regierung müssen wir uns verwahren gegen die Inbesitznahme einer unbefugten Einmischung, ob angefragt oder nicht, durch den Militär-Industriellen Komplex. Das Potential für die katastrophale Zunahme deplatzierter Macht existiert und wird weiter bestehen bleiben.

Wir dürfen niemals unsere Freiheiten und demokratischen Prozeduren durch das Gewicht dieser Konstellation in Gefahr bringen lassen. Nur eine wache und kluge Bürgerschaft kann das richtige Zusammenwirken der gewaltigen industriellen und militärischen Verteidigungsmaschinerie mit unseren friedlichen Methoden und Zielen erzwingen, sodass Sicherheit und Freiheit miteinander gedeihen mögen.

Danke, und gute Nacht.”

Heute gibt es Hoffnung auf eine anwachsende Generation, die sich der NRA (National Raffle Association) erhobenen Hauptes entgegenstellt und etwas gegen die Verbreitung von Waffen, zumindest im privaten Bereich der USA tun möchte. Allein in Washington gingen 2018 über 800.000 junge Menschen gegen die Waffenlobby auf die Straße und demonstrierten für mehr Sicherheit.

 

Wir müssen verstehen lernen, warum Zusammenhänge in ihrer Form medial dargestellt werden, welche Interessen vertreten werden und was diese Interessen für Folgen haben können. Niemand kann sich hiervon freisprechen, denn es betrifft jeden von uns!

 von L. Herteux