Bericht zur Filmvorstellung mit Diskussionsrunde – The True Cost

Am Mittwoch den 1.8.2018 kamen knapp 30 Leute im klimatisierten Gießener Jokus zusammen, um den Dokumentarfilm „The True Cost – Der Preis der Mode“ zu schauen“, der sich kritisch mit der Textilindustrie auseinandersetzt.

Der US-amerikanische Film von Andrew Morgan wurde in Originalsprache mit deutschen Untertiteln gezeigt. Wie in seinen anderen Filmen „After the End“, „It Remains“, „The Heretic“, wirft der  Regisseur ein neues Licht auf ein altbekanntes Thema. Innerhalb von 92 Minuten wird die Modeindustrie in ihrer schädlichen Form für Mensch und Natur gezeigt.

Zu Beginn des Films wird berichtet, dass wir uns nichtmehr in einer Modewelt befinden, die sich an den vier Jahreszeiten orientiert, sondern an den 52 Wochen des Jahres. Für diese Art der Vertriebsstrategie wird der Begriff „Fast Fashion“ angeführt. Wie bei Fast Food geht es dabei nicht um die nachhaltige Produktion der Ware und den bewussten Konsum, sondern vielmehr um das schelle Produzieren und Verbrauchen derselben. Somit wird oft aufgrund gewisser Trends Kleidung erworben, ohne den Gesichtspunkt der Nützlichkeit im Alltag zu bedenken. Eine Stimme des Films spitzt diesen Sachverhalt noch weiter zu. Es ist davon die Rede, dass es ursprünglich einmal Waren gab, die wir aufgebraucht haben – wie etwa Zigaretten und Kaugummis – und Waren, die wir gebraucht haben – wie etwa Waschmaschinen und Kleidung. Diese Grenze sei in den letzten Dekaden immer mehr verschwommen und habe in einer Wegwerfgesellschaft kumuliert.

Anschließend beschleunigen sich die Bilder des Filmes: Strahlende Bilder von sogenannten „Influencern“ und den Laufstegen der Welt wechseln mit erschreckenden Bildern aus der Kleidungsherstellungskette. Es wird etwa von dem Teufelskreis berichtet, in dem sich viele indische Baumwollbauern befinden. Sie kaufen ihr Saatgut von Großkonzernen wie Monsanto, die sie durch ihr Preisdiktat zum Kauf seiner genmanipulierten Produkte zwingt. Um dieses jedoch anbauen zu können, müssen sie Düngemittel und Pestizide von eben denselben Konzernen kaufen. Der Ertrag bleibt dabei auf der Strecke. Der unrentable Berufszweig verursacht unbezahlbare Schulden, sodass sich jährlich über 20.000 indische Landwirtinnen und Landwirte das Leben nehmen.

Außerdem werden Bilder vom Gebäudeeinsturz des Rana Plazas gezeigt. Im April des Jahres 2013 wurden in den Trümmern des achtstöckigen Fabrikgebäudes in Dhaka, Bangladesch über 1.100 Menschen begraben. Dieser Vorfall ist eingetreten, obwohl die darin befindlichen Näher:innen am Vortag ihre Bedenken über Risse in der Wand und die Stabilität des Gebäudes geäußert hatten. Mit hektischen und lauten Aufnahmen wird auch vom blutigen Niederschlagen einer kambodschanischen Demonstration von Textilarbeiter:innnen berichtet. Die Polizei und das Militär verletzten viele Demonstrierenden mit Stöcken und töten sie gar mit Schusswaffen. Die Forderung der Arbeitnehmenden war lediglich ein Monatslohn von 160$.

Neben diesen negativen Auswirkungen der Textilindustrie werden immer wieder Projekte eingestreut, die sich von der konventionellen Produktionskette abkapseln. Der kalifornische Hersteller von Outdoor-Kleidung Patagonia wird als Beispiel für ökologische und nachhaltige Kleidung angeführt. Lucy Siegle, Gründerin und CEO von People Tree, zeigt auch die faire und ökologische Produktionskette ihres Modelabels.

Nach dieser polarisierenden Filmvorstellung wurde kontrovers über den Film diskutiert. Ein wichtiger Streitpunkt war dabei, ob die Problematik vom Gesetzgeber oder vom Konsumenten angegangen werden sollte. In der Diskussion stellte sich auch heraus, dass die Aufklärung über den Sachverhalt eine wichtige Rolle spielt. Als Fragen zur ökologischen und fairen Herstellung in Deutschland aufkamen, meldete sich Tam Herring zu Wort. Die zertifizierte Ausbilderin für Änderungsschneiderei konnte durch ihr Wissen im Bereich Upcycling und ökologischer Maßanfertigung einen wichtigen Beitrag zu Diskussion leisten.

Wer den Film noch nicht gesehen hat, mag auf Emma Watsons Worte hören: „Watch The True Cost!

 

 

Hier findest du mehr Informationen zu…

Initiativen für faire Herstellung:

fashionrevolution.org

cleanclothes.org

Ökologische und Faire Kleidung:

hessnatur.com (Butzbach)

foster-natur.de (Marburg)

twothirds.com (Spanien)

greenality.de (Stuttgart)

Altkleiderverwertung in Gießen:

Bahnhofsmission

Rotes Kreuz

Secondhand Boutique Plaza (Neustadt)