Hass im Internet

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Wer regelmäßig soziale Plattformen im Internet besucht, weiß, dass Shitstorms und Hasskommentare dort genauso zum Tagesgeschehen gehören, wie das Teilen von süßen Tiervideos oder lustigen Memes. Dabei kommt uns, wenn wir die Menge an Kommentaren betrachten, der Anteil an beleidigenden und diskriminierenden Reaktionen eher gering vor. Tatsächlich handelt es sich auch nur bei etwa 3% aller Kommentare im Netz um Hasskommentare. Schaut man sich allerdings einzelne Kanäle oder Internetprofile an, wird schnell deutlich, dass Internet-hater sich organisieren, um gebündelt eine Person und deren Präsenz in den sozialen Medien anzugreifen. Auf diesen Kanälen steigt die Zahl der Hasskommentare auf bis zu 30% an, sodass es sich bei jeder dritten Nachricht um einen die Person beleidigenden, diskriminierenden oder sogar bedrohenden Kommentar handelt. Diese systematische Vorgehensweise bedarf einer gut strukturierten Community. Die Verfasser der Doku „Lösch Dich! So organisiert ist der Hate im Netz“ haben einige dieser Strukturen aufgedeckt, indem sie sich in eine Gruppe innerhalb der Hatercommunity eingeschleust haben – Reconquista Germanica.

Fake-Accounts, Hater und Trolle

Reconquista Germanica umfasst etwa 6000 Mitglieder. Übersetzt bedeutet der Name „Rückeroberung Deutschlands“ und lässt die patriotische Einstellung schon ganz gut erkennen. Diese rechtsradikale Netzwerkgruppierung kommuniziert über den Gaming-Chat-Dienst Discord, zu dem nur Mitglieder Zugang haben. Dort werden Nutzer*innen gezielt dazu aufgerufen, bestimmte Internet-user mit Hasskommentaren zu überfluten, rassistische Inhalte zu teilen oder neue Mitglieder zu rekrutieren. Um die Menge an Hasskommentaren noch größer wirken zu lassen, arbeiten die Internettrolle mit einer Vielzahl an Fake-Accounts. Reconquista Germanica bezeichnet sich selbst zwar als „satirisches Internet-Projekt ohne Bezug zur Realität“, doch die Doku „Lösch Dich“ legt Aktionen und interne Unterhaltungen der Gruppierung offen, die ganz direkt REALE Menschen angreifen, beleidigen und mit Hass überfluten. Außerdem schließen sich Rechtsradikale der Gruppe an und teilen deren Inhalte in ihren Foren. Macht man sich die Mühe, wie Jan Böhmermann und sein Team es getan haben und schaut sich die Vernetzung einiger der Twitteraccounts von Reconquista Germanica Mitgliedern an, fällt auf, dass zwei von drei dieser Accounts mit Twitteraccounts von AfD-Mitgliedern vernetzt sind… Alles Zufall oder vielleicht doch nicht? Die Ziele der Internettrolle von Reconquista Germanica und der Social-Media-Auftritt von AfD Politiker*innen lässt einige Gemeinsamkeiten erkennen: Stimmungsmache gegen Andersdenkende, sowie die Manipulation des politischen Diskurses und das alles unter dem Deckmantel: „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“.

Was kannst du tun?

Was kann man jetzt gegen diese Bande an fiesen Trollen tun? Im besten Fall gelingt es uns, die oben angesprochenen Manipulationen und Stimmungsmache aufzudecken. Betrachtet man zum Beispiel die Verbreitung von Hasskommentaren und Shitstorms im Netz, fällt auf, dass dafür durch die Vielzahl der Fake-Accounts letztendlich nur sehr wenige Menschen verantwortlich sind (z.B. Reconquista 6000 Mitglieder, Identitäre Bewegung 300-400 Mitglieder) und nicht eine riesige Armee an rechtsradikalen Trollen (auch wenn sie das vielleicht gerne so hätten). Wenn wir uns alle zusammentun und öffentlich zeigen, dass wir mehr sind und dass Liebeskommentare sowieso cooler sind als Hass und Hetze, dann ist das schon mal viel wert. Geheime Botschaft zum Abschluss: Eventuell haben sich ein paar Genies zusammengetan und auf der Internetblattform Discord einen Channel eingerichtet, über den man an Infos über enttarnte Trolle kommt… „Reconquista Internet“. Schaut’s euch mal an.

Lasst uns mitmischen und gemeinsam Toleranz, Vielfalt und ganz viel Liebe verbreiten!

 

Hier findest du mehr Informationen zu…

Hass im Internet: Die Doku über Hater und Trolle

Rechtsradikale Troll-Armee

Reconquista Internet